Linux Essentials 2.0: Das ändert sich mit der neuen LPI-Prüfung
Neue Prüfungsziele für Cloud, systemd, SSH und moderne Open-Source-Technologien
Linux bildet eine zentrale technologische Grundlage für Cloud-Infrastrukturen, Rechenzentren, Cybersecurity, Softwareentwicklung, eingebettete Systeme und zahlreiche weitere IT-Anwendungen. Entsprechend wichtig sind aktuelle Linux-Kompetenzen für Unternehmen, die ihre IT-Fachkräfte gezielt qualifizieren und auf gegenwärtige sowie zukünftige Anforderungen vorbereiten möchten.
Mit Linux Essentials 2.0 modernisiert das Linux Professional Institute, kurz LPI, sein Einstiegszertifikat für Linux und Open Source. Die neue Version soll im Oktober 2026 offiziell veröffentlicht werden. Sie greift aktuelle Entwicklungen in der betrieblichen IT auf und rückt moderne Administrationswerkzeuge, Cloud-Technologien, sichere Remote-Zugriffe sowie ein erweitertes Open-Source-Ökosystem stärker in den Mittelpunkt.
Warum Linux Essentials 2.0 für Unternehmen relevant ist
Linux Essentials vermittelt grundlegende Kenntnisse des Linux-Betriebssystems, der Kommandozeile, der Benutzer- und Rechteverwaltung sowie wichtiger Open-Source-Konzepte. Das Zertifikat eignet sich insbesondere für Mitarbeitende, die erstmals systematisch mit Linux arbeiten oder eine weiterführende Qualifizierung im Bereich Systemadministration, Cloud Computing, DevOps oder IT-Sicherheit anstreben.
Die Aktualisierung auf Version 2.0 ist daher mehr als eine reine Anpassung einzelner Prüfungsfragen. Sie orientiert sich stärker an den Werkzeugen, Plattformen und Sicherheitsanforderungen, die heute in professionellen IT-Umgebungen eingesetzt werden. Unternehmen erhalten damit eine zeitgemäße Grundlage für den Aufbau herstellerneutraler Linux-Kompetenzen.
Die wichtigsten Neuerungen von Linux Essentials 2.0
- Cloud und Virtualisierung: Die Installation und Bereitstellung von Linux in virtuellen Maschinen und Cloud-Instanzen wird stärker berücksichtigt. Auch das Windows Subsystem for Linux, kurz WSL, gehört künftig zu den relevanten Themen.
- Moderne Systemadministration: Die neuen Prüfungsziele umfassen den Umgang mit systemd-Service-Units. Dienste sollen unter anderem mit systemctl gestartet, beendet und überprüft werden können.
- Aktuelle Protokollierung: Das klassische Syslog rückt in den Hintergrund. Stattdessen wird das systemd-Journal mit dem Werkzeug journalctl in die Prüfung aufgenommen.
- Zeitgemäße Netzwerkkonfiguration: Veraltete Werkzeuge wie ifconfig und route werden durch Befehle aus dem iproute2-Umfeld ersetzt. Dazu gehören beispielsweise ip addr und ip route.
- IPv6 und automatische Netzwerkkonfiguration: Neben IPv4 werden nun auch IPv6, DHCPv6 und SLAAC berücksichtigt. Damit bildet die Prüfung moderne Netzwerkumgebungen besser ab.
- Sicherer Remote-Zugriff: SSH erhält einen deutlich höheren Stellenwert. Dazu gehören Remote-Anmeldungen, Dateiübertragungen mit scp sowie die Authentifizierung über SSH-Schlüssel.
- Erweitertes Shell-Scripting: Einfache if-Bedingungen zur Prüfung von Dateien und Variablen sowie for-Schleifen über Listen und Datei-Glob-Ausdrücke ergänzen die bisherigen Skripting-Grundlagen.
- Moderne Hardware: Die Lernziele berücksichtigen unter anderem ARM-Prozessoren, NVMe-Speicher sowie physische und virtuelle Geräte.
- Digitale Autonomie und digitale Souveränität: Die Bedeutung freier und proprietärer Software sowie deren Auswirkungen auf die technologische Unabhängigkeit von Organisationen wird künftig ausdrücklich thematisiert.
Aktuelle Linux-Distributionen und Open-Source-Anwendungen
Auch die Übersicht der Linux-Distributionen wird neu strukturiert. Statt einzelne Distributionen weitgehend isoliert zu betrachten, werden diese nun stärker nach Distributionsfamilien geordnet. Dazu gehören Debian-basierte Systeme, Enterprise-Linux-Distributionen und SUSE-basierte Distributionen. Zusätzlich werden Alpine Linux sowie unterschiedliche Veröffentlichungs- und Supportmodelle wie Long-Term Support, Stable Releases und Rolling Releases berücksichtigt.
Die Liste relevanter Open-Source-Anwendungen wird ebenfalls deutlich erweitert. Neu aufgenommen wurden unter anderem:
- Desktop und Entwicklung: Chromium beziehungsweise Chrome, VSCodium beziehungsweise Visual Studio Code, Inkscape, VLC, GPG und R
- Zusammenarbeit und Webanwendungen: Jitsi, BigBlueButton, Moodle, Git, GitLab, Forgejo und Gitea
- Server und Datenbanken: PostgreSQL als Ergänzung zu bestehenden Datenbanktechnologien
- Programmiersprachen: C++, Rust und Go
- Paketverwaltung: apt, dnf, zypper und apk
Bei diesen Anwendungen wird grundsätzlich ein Überblick über den jeweiligen Zweck und die wichtigsten Merkmale erwartet. Detaillierte Kenntnisse zur Installation oder Bedienung sind in diesem Prüfungsziel nicht vorgesehen.
Welche Programmiersprachen werden künftig berücksichtigt?
Mit C++, Rust und Go nimmt das LPI drei verbreitete Programmiersprachen neu in die Linux-Essentials-Prüfungsziele auf. Die vollständige Liste umfasst damit C, C++, Java, JavaScript, Python, PHP, Rust und Go. Perl und Shell werden aus der expliziten Liste der Programmiersprachen entfernt. Shell-Scripting bleibt jedoch weiterhin ein eigenständiger und wichtiger Bestandteil der Prüfung.
Zeitplan für den Wechsel auf Linux Essentials 2.0
- 19. März 2026: Fertigstellung der finalen Prüfungsziele für Version 2.0
- 15. August bis 15. September 2026: Durchführung der Beta-Prüfungsphase
- Oktober 2026: Offizielle Veröffentlichung von Linux Essentials 2.0 und der dazugehörigen Lernmaterialien
- April 2027: Einstellung der bisherigen Version 1.6
Die Version 1.6 bleibt somit während einer mehrmonatigen Übergangsphase weiterhin verfügbar. Prüfungskandidatinnen und Prüfungskandidaten, die bereits mit der Vorbereitung begonnen haben, können ihre Prüfung grundsätzlich noch auf Basis der bisherigen Lernziele ablegen. Für neu geplante Qualifizierungen sollte jedoch frühzeitig geprüft werden, welche Version zum vorgesehenen Schulungs- und Prüfungstermin passt.
Beta-Prüfung ermöglicht einen frühzeitigen Abschluss
Vom 15. August bis zum 15. September 2026 bietet das LPI eine englischsprachige Beta-Prüfung für Linux Essentials 2.0 an. Sie wird online über die OnVUE-Plattform von Pearson VUE durchgeführt, umfasst 40 Fragen und dauert 60 Minuten.
Die Teilnahme kostet regulär 50 US-Dollar. Aktive LPI-Mitglieder können die Beta-Prüfung nach Angaben des LPI kostenlos ablegen. Da die verfügbaren Plätze begrenzt sind, können möglicherweise nicht alle Bewerbungen berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse werden erst nach Abschluss der gesamten Beta-Phase und der anschließenden statistischen Auswertung veröffentlicht. Wer die Prüfung besteht, erhält das reguläre Linux-Essentials-Zertifikat. Bei einem nicht erfolgreichen Versuch kann beim LPI beantragt werden, die Prüfung aus dem persönlichen Profil entfernen zu lassen. Voraussetzung für die Mitteilung des Ergebnisses ist außerdem die Teilnahme an einer Befragung nach der Prüfung.
Was Unternehmen jetzt beachten sollten
- Qualifizierungszeiträume prüfen: Bei geplanten Linux-Schulungen sollte berücksichtigt werden, ob die Prüfung noch nach Version 1.6 oder bereits nach Version 2.0 abgelegt werden soll.
- Schulungsinhalte aktualisieren: Bestehende Lernkonzepte sollten insbesondere um systemd, journalctl, iproute2, SSH, IPv6 und Cloud-Instanzen ergänzt werden.
- Vorhandene Kenntnisse weiter nutzen: Wesentliche Linux-Grundlagen bleiben bestehen. Bereits erworbenes Wissen behält daher seinen Wert und muss gezielt um die neuen Themen erweitert werden.
- Linux-Kompetenzen strategisch aufbauen: Linux Essentials kann als Einstieg in weiterführende Qualifizierungswege für Administration, Cloud Computing, DevOps und IT-Sicherheit genutzt werden.
Linux-Qualifizierung mit der IAD GmbH
Die IAD GmbH unterstützt Unternehmen bei der bedarfsgerechten Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden in den Bereichen Linux und Open Source. Gemeinsam mit Ihnen betrachten wir vorhandene Kenntnisse, betriebliche Aufgabenfelder und angestrebte Prüfungsabschlüsse. Auf dieser Grundlage entwickeln wir eine Qualifizierung, die zu den Anforderungen Ihres Unternehmens und den beruflichen Rollen Ihrer Mitarbeitenden passt.
Ob Linux-Grundlagen, Systemadministration oder gezielte Vorbereitung auf eine LPI-Prüfung: Unsere Schulungen verbinden fundiertes Fachwissen mit praxisnahen Übungen und einer persönlichen Betreuung.
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